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September 23, 2023 0 Kommentare

Outing: Wenn sich Queers als Paar outen

Outing: „Ja, ich bin schwul!“ und „Ja, wir sind ein Paar.“ – Hierbei handelt es sich um zwei Sätze, die bereits das Leben vieler Menschen verändert haben.

Auch für die Eltern von Queers macht es häufig einen großen Unterschied, ob ihnen ihr Nachwuchs mitteilt, queer zu sein oder ob dieser auf einmal mit der „Liebe seines Lebens“ nach Hause kommt.

Die gute Nachricht ist jedoch, dass das Umfeld ein Paar-Outing oft besser aufnimmt als vorher befürchtet. Spätestens jetzt ist es immerhin klar, dass der/ die Betroffene dazu bereit ist, den nächsten Schritt zu gehen. Oder anders: Was sich vorher für viele Außenstehende noch ein wenig „theoretisch“ angehört hat, wird nun greifbar. Aber worauf sollten diejenigen, die sich ihrem Umfeld gegenüber als Paar outen möchten, eigentlich achten? Und warum kann es sich gegebenenfalls lohnen, etwas Geduld zu haben und abzuwarten? Die folgenden Abschnitte liefern einige wertvolle Tipps.

Tipp Nr. 1: Beide (!) sollten einverstanden sein

Hierbei handelt es sich weniger um einen Tipp als um eine klare Regel: Wenn sich ein queeres Paar dazu entschließt, sich seinem Umfeld gegenüber zu outen, ist es wichtig, dass sich beide zu 100% einig sind. Es wäre auf jeden Fall kontraproduktiv, wenn ein Partner den anderen überreden würde.

Dementsprechend ist es gegebenenfalls sinnvoll, bis zum offiziellen Outing als Paar im Zweifel noch ein wenig zu warten. Ansonsten ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich einer von beiden unter Druck gesetzt fühlt und mit dem Gang an die Öffentlichkeit ein negatives Grundgefühl verbindet. Genau das gilt es selbstverständlich, zu vermeiden. Gegenseitige Vorwürfe sind fehl am Platz. Oft handelt es sich bei der Wahl des perfekten Zeitpunkts um eine Frage des Bauchgefühls… und dieses lässt sich erfahrungsgemäß ohnehin nicht vom Verstand beeinflussen.

Tipp Nr. 2: Es braucht eine gemeinsame Grundlage fürs Outing

Outing bei Paaren

Wer sich outen möchte, sollte auch wissen, welche Botschaft hinter besagtem Outing stecken soll. Geht es nur darum, auszudrücken: „Wir mögen uns und werden zunächst einmal schauen, was aus uns wird?“ oder darum, wirklich von einer festen und ernsthaften Beziehung zu sprechen?

Genau das sollten Paare bzw. Verliebte und alle anderen im Vorfeld für sich klären. Ansonsten ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Diskussionen entstehen und das Umfeld mehr oder weniger verwirrt reagiert.

Wer sich noch nicht zu 100 Prozent sicher ist, auf welchem Grundpfeiler die Beziehung aufgebaut werden soll, sollte hierzu stehen. Mit dieser Art von Offenheit lassen sich oft viele Missverständnisse vermeiden.

Tipp Nr. 3: Bei toleranten, offenen Menschen anfangen

Selbstverständlich wünscht sich jedes Paar (egal, ob queer oder nicht), dass das Umfeld positiv auf die eigene Beziehung reagiert. Dementsprechend kann es unglaublich motivierend wirken, wenn die ersten, die davon erfahren, sich mit dem (mehr oder weniger) frischgebackenen Paar freuen.

Hier kann es sich lohnen, sich im Vorfeld Gedanken darüber zu machen, wer besonders nahe und der queeren Szene vielleicht besonders offen gegenübersteht. Jede positive Reaktion kann ein wenig mehr dazu motivieren, die Liebe nach außen zu tragen.

Gleichzeitig ist es wichtig, sich auch von negativen Erfahrungen nicht entmutigen zu lassen. Es wäre zwar schön, ist jedoch auch ein wenig naiv, anzunehmen, dass absolut jeder mit der Beziehung „einverstanden“ ist. Negative Erlebnisse dieser Art schweißen das entsprechende Paar jedoch oft noch weiter zusammen.

Tipp Nr. 4: Offen mit dem Thema umgehen und die Nachricht, wenn möglich, schnell verbreiten

Wenn die ersten Personen über die queere Beziehung informiert wurden, ist es gegebenenfalls sinnvoll, die Neuigkeit zeitnah weiter zu verbreiten. Ansonsten ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich einige (noch nicht informierte) Menschen im Umfeld übergangen fühlen.

Ein typisches Beispiel: Ein schwules Paar hat seine Geschwister, aber auch nach Wochen noch nicht seine Eltern informiert. Erfahren diese rein zufällig vom Beziehungsglück ihres Sohnes, könnten sie mit Unverständnis reagieren.

Auch hier gilt jedoch: Jedes Paar hat sein eigenes Tempo. Wenn es sich – warum auch immer – zum aktuellen Zeitpunkt schlicht falsch anfühlt, „Person XY“ in Kenntnis zu setzen, gilt es natürlich, dies auch sich selbst gegenüber zu akzeptieren.

Tipp Nr. 5: Gegebenenfalls Hilfe in Anspruch nehmen

Auch, wenn viele Menschen positiv auf ein Paar Outing reagieren, kann es natürlich sein, dass die entsprechende Botschaft in einzelnen Fällen auf starken Widerstand stößt. Wer bemerkt, dass er hiermit psychische Probleme hat und sich dementsprechend belastet fühlt, sollte auf keinen Fall zögern und – gegebenenfalls mit dem Partner – professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

Ein Outing, auf das Menschen aus dem näheren Umfeld derart negativ reagieren, kann – gerade bei sensiblen Personen, die noch dabei sind, sich selbst in dieser spannenden Phase des Lebens kennenzulernen, traumatisch wirken. Hier ist es umso wichtiger, rechtzeitig gegenzusteuern.

In vielen Fällen, in denen das Umfeld des Paares derart negativ reagiert, braucht es jedoch lediglich ein wenig Zeit. Danach fällt es häufig nicht schwer, sich mit dem Paar, dem man von Herzen alles Gute wünscht, zu freuen.

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